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Redaktion 10.02.2004
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Authentisch, tabulos und hautnah

Ver-rückte Filmnacht mit 500 Jugendlichen im Sony Center


Irrsinnig Menschlich e.V. macht mobil für psychisch kranke Menschen


Berlin, 29. Mai 2003 - Zwei Tage lang steppte in Berlin der Bär für psychisch kranke Menschen. Berliner und Kirchentagsbesucher sahen zu, machten mit und folgten der Einladung zu einem Abend der ganz anderen Art: Der Leipziger Verein Irrsinnig Menschlich e.V., der Verein für Öffentlichkeitsarbeit in der Psychiatrie, veranstaltete im CineStar Sony Center Potsdamer Platz eine unkonventionelle, ver-rückte Kinonacht mit über 500 jungen Zuschauern.

Authentisch, tabulos und hautnah hatte sich der Verein mit Betroffenen, Psychiatern und Prominenten zum Ziel gesetzt, mit Vorurteilen gegenüber psychisch kranken Menschen aufzuräumen. "Get in touch and get involved!" lautete das Programm des Abends und brachte Schüler und Studenten mit den Menschen ins Gespräch, die von vielen noch immer als fremd und bedrohlich, kurz "ver-rückt" angesehen werden. Zuschauer und Veranstalter waren sich am Ende des Abends einig: Es gibt mehr, was verbindet, als das, was trennt.

"Ich habe heute Abend wirklich ein ganz anderes Bild von psychisch erkrankten Menschen bekommen. Das sind eben nicht gefährliche Irre, sondern Menschen wie du und ich", kommentierte eine 17-jährige Besucherin den Abend. Zu dieser Einsicht war die Jugendliche durch den preisgekrönten Film "Das weiße Rauschen" (sensible und packende Darstellung vom Leben, Leiden und Fühlen eines schizophren erkrankten Jugendlichen) und die anschließende intensive und lebendige Talkrunde mit dem Regisseur Hans Weingartner, den Schauspielerinnen Jenny Gröllmann und Jennipher Antoni sowie Betroffenen und einem Psychiater gelangt. Moderiert wurde der von der Lilly Deutschland GmbH unterstützte Abend von Volker Wieprecht und Robert Skuppin (Radio EINS), die ein gespanntes Publikum in grünen Vereins-T-Shirts - diese wurden an Stelle von Eintrittskarten an die Jugendlichen verteilt - durch den schrägen, unkonventionellen Abend führten.

Den wissenschaftlichen Beitrag lieferte der psychiatrische Fachexperte Dr. Matthias Dobmeier. Er veranschaulichte am Beispiel der Schizophrenie, eine der schwerwiegendsten psychischen Erkrankungen, was genau im akuten Krankheitsfall im Gehirn des Betroffenen passiert und dass diese biochemischen Stoffwechselstörungen bei jedem Menschen auftreten können. Hierbei stellte er heraus, dass die Schizophrenie - anders als die Allgemeinheit vermutet - gut behandelbar ist. Die medikamentöse Therapie mit atypischen Neuroleptika sei ein wichtiger Baustein im gesamten Therapiekonzept. Diese modernen Medikamente regulieren die Störung wirksam, was Betroffene durch eigene Erfahrungsberichte unterstrichen.

Jenny Gröllmann, zugleich Schirmherrin des Schulprojekts "Verrückt? Na und!", dem derzeit wichtigsten Projekt des Vereins, hob die Bedeutung hervor, sich für den direkten Dialog zwischen Jugendlichen und psychisch erkrankten Menschen zu engagieren. Das unkonventionelle Schulprojekt schafft persönliche Begegnungen zwischen Schülern und Patienten und hilft so, Vorurteile da abzufangen, wo sie sich noch nicht verfestigt haben - bei jungen Menschen. Die Resonanz seitens der Schulen, Kultusministerien und Politik ist immens, sodass sich der Verein entschlossen hat, das Projekt ab dem nächsten Schuljahr bundesweit einzurichten. In allen Bundesländern werden hierfür derzeit Koordinatoren und Unterstützer gesucht. Gröllmann rief dazu auf, dass sich noch weit mehr prominente Fürsprecher für psychisch kranke Menschen engagieren müssen. Nur so könne auf Dauer wirklich etwas bewegt werden.

"Dass so viele Jugendliche auf unserem Event so intensiv und emotional engagiert mitdiskutiert haben, zeigt, dass psychische Erkrankungen für junge Leute ein wichtiges Thema sind", resümiert Dr. Manuela Richter-Werling, Geschäftsführerin des Vereins Irrsinnig Menschlich e. V. "Ich würde mir wünschen, dass sich viel mehr Menschen so neugierig und vorbehaltlos zeigten", so Richter-Werling weiter.

In diesen Tagen hat der Verein ein neues, bislang einzigartiges Projekt gestartet: Ausgelobt wird ein Preis für den Politiker, der sich durch außergewöhnliches Engagement für psychisch kranke Menschen auszeichnet. Der politische Preis heißt "MUT 2003" und wird im Herbst 2003 verliehen.

Nähere Informationen zum Verein, zum Preis "MUT 2003" und zu weiteren Projekten erhalten Sie bei: Irrsinnig Menschlich e.V. - Verein für Öffentlichkeitsarbeit in der Psychiatrie, Dr. Manuela Richter-Werling, Johannisallee 20, 04317 Leipzig, Telefon  03 41 - 222 89 90.

E-Mail: info@irrsinnig-menschlich.de
http://www.irrsinnig-menschlich.de


Ver-rückte Filmnacht
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Zwei Tage lang steppte in Berlin der Bär für psychisch kranke Menschen.




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