Berlin (ddp). US-Regisseur Ron Howard erzählt in seinem Oscar-nominierten Film «A Beautiful Mind» die Geschichte eines schizophrenen Mathematikers vereinfacht. Eine gewisse Simplifizierung der biographischen Einzelheiten sei notwendig gewesen, um die zentralen dramatischen Aspekte des einzigartigen Falls herausarbeiten zu können, sagte Howard in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ddp auf der Berlinale.
In «A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn» geht es um das dramatische Schicksal des genialen Mathematikers John Forbes Nash. Der exzentrische junge Mann macht bereits in jungen Jahren eine wichtige wissenschaftliche Entdeckung. Sein beginnender Aufstieg wird jedoch jäh unterbrochen, als er an Schizophrenie erkrankt. Mit der aufopferungsvollen Hilfe seiner Frau Alicia kämpft er gegen die Krankheit und findet einen Weg, den Alltag zu bewältigen und sogar wieder als Hochschuldozent zu arbeiten. 1994 erhält Nash für seine wissenschaftliche Leistung den Nobelpreis. Heute lebt der reale Nash mit seiner Frau in Princeton, New Jersey.
«A Beautiful Mind» läuft außer Konkurrenz im Wettbewerb der Berlinale und kommt am 28. Februar in die deutschen Kinos. Der Film hat in den USA trotz der komplexen Thematik bereits mehr als 100 Millionen Dollar eingespielt und wurde am Dienstag in acht Kategorien für den Oscar nominiert. In den Hauptrollen sind Russell Crowe, Jennifer Connelly und Ed Harris zu sehen.
Howard betonte, es sei vor allem notwendig gewesen, Nebenhandlungen wegzulassen, also Aspekte des persönlichen Lebens des Ehepaars, die durchaus interessant gewesen seien. «Wenn wir uns darin vertieft hätten, wäre dazu ein anderer Film notwendig gewesen,» sagte der Regisseur. Es sei aber so schon kaum genug Platz dagewesen, um die beiden zentralen Punkte darzustellen: «den Einblick in Nashs Kampf gegen die Geisteskrankheit und die Liebesgeschichte mit seiner Frau Alicia, die so wichtig für sein Leben und für seine Genesung war.» Sogar dieser Teil sei «offen gesagt nicht so gut entwickelt, wie ich es gerne gehabt hätte.»
Howard machte auch sein persönliches Interesse an der Geisteskrankheit deutlich, die durch eine «sehr mysteriöse Unordnung» gekennzeichnet sei. Mittlerweile sei bekannt, dass etwa ein Prozent der Bevölkerung mit Schizophrenie zu tun habe. «Das sind viele Menschen,» sagte der Regisseur, in vielen Familien gebe es solche Fälle. «Ich möchte nicht in Details gehen, aber in meiner Familie auch,» sagte Howard. Aus einer gewissen Distanz könne er selbst sehen, «wie zerstörerisch und erschreckend die Folgen der Krankheit sind».
Der reale Mathematiker Nash hat laut Howard dem Filmprojekt zugestimmt und wusste auch, «dass wir für den Film einige Einzelheiten ändern würden.» Der Mathematiker sei «ein sehr exzentrischer Mann, der schwer zu durchschauen ist». Nash sei auch Filmliebhaber, sagte Howard. Als der Gelehrte den fertigen Film zum ersten Mal gesehen habe, habe er «einen amüsierten Eindruck gemacht». Das Vorhaben sei ja auch in gewisser Weise absurd: «Man kann nicht das ganze Leben eines Menschen akkurat in zwei Stunden und neun Minuten einfangen.»
Bei der Szene mit der Elektroschocktherapie habe Nash wegschauen müssen, berichtete der Regisseur. Und Nashs Ehefrau habe bei dieser Szene geweint. Danach habe er den Rest des Films in einer ernsten, feierlichen Weise angeschaut. Bei der zweiten Sichtung des Films habe Nash eingeräumt, «dass er ihn erst jetzt als Film würdigen konnte.» Zugleich habe er Respekt für die Art der Darstellung des Ehepaares bekundet und Verständnis für die Passagen gezeigt, wo Veränderungen in der filmischen Biographie vorgenommen worden seien.
(c) ddp 13.02.02
«A Beautiful Mind»
Sieger bei der diesjährigen Oscar-Verleihung
Von Anja Daeschler
Los Angeles (ddp). Es ist ein Stoff, aus dem die Oscars gemacht sind. Eine wahre Geschichte, eine tragische Geschichte, eine Geschichte mit Happy-End. «A Beautiful Mind» zeichnet den Lebensweg des Mathematik-Genies John Forbes Nash nach, der in seiner Jugend an Schizophrenie erkrankt und 1994 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird. Bei der Oscar-Verleihung in der Nacht zum Montag (MEZ) in Los Angeles setzte sich der Streifen prompt in den wichtigsten Kategorien durch: Bester Film, beste Regie, bestes adaptiertes Drehbuch, Jennifer Connelly holte sich noch dazu die goldene Trophäe als beste Nebendarstellerin. Lediglich Hauptdarsteller Russell Crowe ging trotz seiner bewegenden Leistung leer aus.
Drehbuchautor Akiva Goldsman entwirft in «A Beautiful Mind» eine spannende Geschichte, die sich an das Leben Nashs, wie es in der Biographie von Sylvia Nasar geschildert wird, nur anlehnt. Die Eckdaten stimmen allerdings: Nashs Studium an der amerikanischen Princeton-Universität seit 1947, sein Auftreten als Sonderling, der Entwurf der «Spiel- und Entscheidungstheorie», die ihm 1994 den Nobelpreis einbringt, die Heirat mit Alicia Larde (Jennifer Connelly) und seine Anstellung als Forscher und Dozent. Damit erreicht Nashs Schizophrenie im Film den Höhepunkt. Wie schon sein Zimmergenosse an der Uni existiert auch William Parcher (Ed Harris), der ihn im Auftrag des Verteidigungsministeriums für einen geheimen Einsatz als Code-Dechiffrierer im kalten Krieg anwirbt, nur in der bizarren Vorstellungswelt des Mathematikers.
Die Diagnose paranoide Schizophrenie schockiert Nash und seine Frau vollkommen. Ihr Leben ändert sich von heute auf morgen, der Mathematiker bekommt Insulinschocks und muss starke Medikamente einnehmen, die sowohl seine geistigen Fähigkeiten erheblich einschränken als auch sein sexuelles Verlangen. Er entschließt sich, die Medikamente abzusetzen, was einen spektakulären Rückfall zur Folge hat. Doch Schritt für Schritt verdrängt er mit wachem Geist seine Halluzinationen, mit Hilfe alter Studienkollegen darf er wieder in Princeton arbeiten, wo er auch studiert hat. Alicia ist im Privaten seine einzige Stütze.
Auch wenn er die goldene Statuette in diesem Jahr nicht mit nach Hause nehmen durfte - Russell Crowe lieferte in «A Beautiful Mind» wieder einmal eine Oscar-würdige Leistung ab, er verkörperte die kleinen Ticks des Mathematikers ebenso real wie seinen merkwürdigen Gang, sein Leben in der imaginären Welt und seine Liebe zu seiner Frau.
Auch den um 40 Jahre gealterten Nash, der strahlend seinen Nobelpreis entgegennimmt, kauft man dem «Gladiator»-Darsteller, der zum dritten Mal in Folge für den Oscar nominiert war, ab. Dies liegt aber auch an der sensationellen Leistung des Maskenbildners Greg Cannon. Auch Peter Jacksons Fantasy-Epos «Der Herr der Ringe» konnte «A Beautiful Mind» nicht davon abhalten, zum besten Film des vergangenen Kinojahres gekürt zu werden.
(c) ddp 24. März 02
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- Russell Crowe als Mathematikgenie John Forbes Nash, jr. in dem preisgekroenten Drama "A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn" von Ron Howard. Foto: ddp
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