Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

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01.05.2008

PREISTRÄGER "Balsam für die Seele" 2007
Schreib-, Grafik- und Fotowettbewerb der Redaktion Lichtblick
1. Februar 2007 bis 28. September 2007 (BEENDET !)







Die Entscheidung im offenen Schreib-, Grafik- und Fotowettbewerb "Balsam für die Seele" der Lichtblick-Redaktion ist gefallen. Am Wochenende (6./7.10.08) ermittelte die Jury aus den 104 nominierten Beiträgen die fünf Preisträger:

KURZGESCHICHTE: Annerose J. aus 18106 Rostock für ihre Erzählung "Ich wollte überleben, ich habe überlebt". (Gelungene Aufarbeitung eines Schicksals)

GEDICHT: Marianne Pregel und Heinrich Berger aus 81543 München für ihr vertontes Gedicht "Ich wär' so gern normal". (Überhöhte Ansprüche an sich selbst oder der Wunsch, möglichst gesellschaftskonform zu leben, können krank machen.)

MALEREI: Friederike Thoms aus 24306 Plön für ihre Trilogie "Im Verlies - Maskentanz - Flucht". (Ein satirisches Meisterwerk zum Selbstschutz und gegen Schikanen jeder Art.)

FOTOGRAFIE: Heike Kubik aus 18516 Süderholz für das Bild "Wir gehören zusammen". (Mit meisterhaftem Blick symbolisch auf den Punkt gebracht.)

Die Gewinner erhalten jeweils einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Euro.

SONDERPREIS: Der mit 100 Euro extra gestiftete Sonderpreis "Balsam für die Seele" geht an die Tagesstätte "Steg Greifswald" in 17489 Greifswald. Jenny Körner, Anette Wolf und Sigrid Burchard stellten ihre Einzelbeiträge zu einer erfolgreichen Gruppenleistung zusammen. Zudem koordinierte die Ergotherapeutin Petra Semmig sehr geschickt die Weiterleitung der Präsentation via E-Mail. Nachahmenswert!

"Balsam für die Seele" rundherum geglückt!

Die Vorsitzende des Landesverbandes MV der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e.V., Ulrike Schob, und die Mitglieder der Lichtblick-Redaktion gratulieren allen Preisträgern ganz herzlich zu Ihrem Erfolg. Bereits die Nominierung ist eine große Auszeichnung. Folglich erhalten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Urkunde. Auf Grund der großen Resonanz und dank einer einmaligen Förderung des forschenden pharmazeutischen Unternehmens Janssen-Cilag (Neuss) ist "Balsam für die Seele" rundherum geglückt! Auch im nächsten Jahr wird der Wettbewerb wieder ausgeschrieben. Alle kreativen Menschen, die gerne schreiben, dichten, malen und fotografieren, sind dazu herzlich eingeladen.

HINTERGRUND: Der Kreativ-Wettbewerb anlässlich des Internationalen Tages der seelischen Gesundheit, der jährlich am 10. Oktober begangen wird, soll dazu beitragen, die Haltung gegenüber Menschen mit einer psychischen Erkrankung zu verbessern. Denn viele Betroffene werden stigmatisiert und leiden dadurch zusätzlich. Nicht wenige suchen deshalb gar nicht erst Hilfe. Mit diesem Wettbewerb, der auch künftig auf einen Zeitraum von acht Monaten ausgelegt ist (Februar bis September), wollen wir aufspüren, was alles 'Balsam für die Seele' sein kann. Davon müssten eigentlich alle 'profitieren', ob gesund, erkrankt oder behindert.

Roland Hartig

Übersicht der nominierten Beiträge 2007


PREISTRÄGER 2007

Die Aktion wird durch die Janssen-Cilag GmbH unterstützt.

Janssen-Cilag GmbH



Annerose J.; Kategorie: Kurzgeschichte

Ich wollte überleben, ich habe überlebt

Ich bin Annerose J. und wurde am 17. September 1955 in einem kleinen Dorf in der Nähe von Bautzen geboren. Meine Eltern waren Bauern. Dort wuchs ich mit meiner älteren Halbschwester und meiner jüngeren leiblichen Schwester unter einfachen und eigenartigen Verhältnissen auf.

Ich bin sieben Jahre lang sexuell missbraucht worden. Die Folgen meiner entwürdigten Kindheit zogen sich wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben.

Meine beiden Tanten, die Schwestern von meinem Vater hatten eine soziale Behinderung und wohnten bei uns. Sie nahmen viel Einfluss auf meine Erziehung und haben mein Leben geprägt. Besonders meine Patentante. Sie hat immer zu mir gesagt, die Menschen sind schlecht. Sie haben mich mit erzogen und ich habe sie trotz ihrer Eigenartigkeit auf meine Weise geliebt. Sie wurden von den Dorfmenschen nicht so akzeptiert wie sie waren und verachtet. Das wurde auf unsere Generation weitervererbt. Wir waren so etwas wie Abschaum. Ich habe sehr früh zu spüren bekommen wie die Umwelt auf mich gewirkt hat. Ich war jahrelang in meiner Schulklasse seelischer Gewalt ausgeliefert und die Lehrer haben weggesehen.

Bei uns im Dorf sind Verbrechen passiert. Ich hatte Seelenmord und konnte damals nicht ahnen, was das für Folgen für mein ganzes Leben haben wird. Ich hatte damals beschlossen, alles was ich erlebt habe, aus meinem Gedächtnis zu streichen, für immer zu schweigen und es mit ins Grab zu nehmen. So ging ich 1976 nach Rostock und habe alles hinter mir gelassen und wollte ein neues Leben anfangen. Ich habe geheiratet, eine Familie gegründet und drei Kinder geboren.

Nach 1990 bin ich in ein tiefes Loch gefallen. Ich habe mich an meine Kindheit erinnert und die Vergangenheit hat mich wieder eingeholt. 1992 hatte ich Mobbing und ich musste Nervenärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Ich hatte Depressionen und bekam Antidepressiva. Ich hatte Angstzustände und bin wieder in meine Kindheit zurückgefallen. Ich fühlte mich wieder wie das Kind von damals und durchlebte alles noch einmal. Mein Ziel war, ich musste durch das 6-monatige Praktikum während meiner Umschulung kommen. Als alles vorbei war, habe ich diese Sache beendet und die Tabletten weggeworfen.

Ich beschloss meine Sache allein zu regeln und habe hart an mir selbst gearbeitet. Jedoch bin ich in den folgenden Jahren immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgerufen worden. Ich bin immer wieder in die Tiefe gefallen und habe immer wieder gegen mich selbst gekämpft. Ich hatte zwar auch Zeiten des Glücks, die waren aber nur von kurzer Lebensdauer. Die Zeiten der Trauer und des Leids waren viel länger und bestimmten mein weiteres Leben.

Anfang 2002 bin ich wieder mit dramatischen Ereignissen in Berührung gekommen. Ich wurde wieder in die Tiefe gerissen und war wieder in meiner Kindheit angekommen und wurde somit selbst zur Betroffenen und zum Opfer. Ich habe noch versucht dagegen zu steuern, aber meine Kraft reichte nicht mehr aus. So habe ich für mich beschlossen, ich ergebe mich kampflos. Um zu überleben habe ich meinen Zustand so akzeptiert wie er ist. So habe ich eine Ruhepause eingelegt und mich treiben lassen und abgewartet was weiter mit mir passiert. Als nach mehreren Monaten meine Lage sich noch nicht ausreichend gebessert hatte, habe ich kapiert, was Fakt ist. Die genaue Ursache für meinen Leidensweg wusste ich damals noch nicht. Ich wollte es aber herausfinden.

So ging ich Anfang 2004 zu einer Psychologin. Nach einem Jahr kannte sie meine Biographie. Beim letzten Gespräch gab sie mir auf dem Weg - als Vorteil - dass ich durch meine Lebensgeschichte gute Kompetenz und Lebenserfahrung habe. Danach kam ich mir ausgenutzt und Missbraucht vor. Jedoch habe ich während dieser Therapie den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt als Selbständige geschafft. Zur Zeit befinde ich mich in meinem größten beruflichen Erfolg, den ich je hatte. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich nicht richtig lebe. Meine Seele ist vor langer Zeit gestorben.

Ich weiß jetzt, man muss persönliche Erinnerungen von dramatischen Ereignisse bekämpfen und ausmerzen. Nur dann besteht Hoffnung auf Heilung für einen selbst. Die Seele will doch gepflegt sein!

Annerose J.
18106 Rostock



Marianne Pregel und Heinrich Berger; Kategorie: Gedicht

Ich wär' so gern normal

Vorwort zum Beitrag "Ich wär' so gern normal" von Heinrich Berger und Marianne Pregel zum Wettbewerb der Redaktion Lichtblick "Balsam für die Seele".

Was ist eigentlich "normal" und was nicht? Darüber haben sich schon viele kluge Leute die Köpfe zerbrochen. Viele Menschen, die die Erfahrung einer Psychose oder einer anderen psychischen Erkrankung machen mussten, sehnen sich sehr nach Gesundheit und Normalität in Bezug auf Beruf, soziale Kontakte u.s.w., so der erste Teil des Liedes.

Unsere gesellschaftliche Normalität hat aber mehr als diese erstrebenswerten, gut nachvollziehbaren Werte; die andere Seite der Normalität kann, kritisch betrachtet, problematische Aspekte haben: Ichbezogenheit, Materialismus, Wohlstandsfolgen, so dass doch wieder die körperliche und psychische Gesundheit bedroht sein können.

Deshalb: überhöhte Ansprüche an mich selbst oder der Wunsch, möglichst gesellschaftskonform zu leben, können krank machen!

Vielleicht sollte man also lieber versuchen, sich so zu akzeptieren, wie man eben ist: "Ich bin so, wie ich bin. Das, nur das macht doch Sinn"

Das wäre nach unserem Verständnis auch "Balsam für die Seele".

Marianne Pregel und Heinrich Berger im September 2007
81543 München




Friederike Thoms; Kategorie: Malerei

Trilogie "Im Verlies - Maskentanz - Flucht"


Im Verlies "Im Verlies"
Malerei in Acryl auf Leinwand

Friederike Thoms

Maskentanz "Maskentanz"
Malerei in Acryl auf Leinwand

Friederike Thoms

Flucht "Flucht"
Malerei in Acryl auf Leinwand

Friederike Thoms



Heike Kubik, Kategorie: Fotografie

"Wir gehören zusammen"


"Wir gehören
zusammen."

Foto:
Heike Kubik



Sonderpreis für die Tagesstätte "Steg Greifswald"

Badespass mit
meinem Sohn

Foto:
Jenny Körner
Tagesstätte
"Steg Greifswald"
17489 Greifswald

Katzenentspannung -
täglich Freude
mit "Kätzi Rose"

Foto:
Anette Wolf
Tagesstätte
"Steg Greifswald"
17489 Greifswald

Sonne im Herzen

Gedicht mit
Buntstiftzeichnung
entstanden im
Garten beim Sonnen

Sigrid Burchard
Tagesstätte
"Steg Greifswald"
17489 Greifswald

Zuhause

Jenny Körner
Tagesstätte
"Steg Greifswald"
17489 Greifswald

Skulptur-Zeichnung

Sigrid Burchard
Tagesstätte
"Steg Greifswald"
17489 Greifswald

Mohnwiese

Sigrid Burchard
Tagesstätte
"Steg Greifswald"
17489 Greifswald

Trostspruch Trostspruch für meinen Mann

Jenny Körner
Tagesstätte
"Steg Greifswald"
17489 Greifswald



Foto Wettbewerb "So leben wir"


Selbsthilfe-Schreibwerkstatt Tyson & Frieda gegen Ausgrenzung Portrait Tyson und Frieda

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