Rheinland-Pfalz:
Psychische Erkrankungen führen verstärkt zu Krankschreibungen
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Von Ralf Beunink
Mainz (ddp-swe). Psychische Erkrankungen führen in Rheinland-Pfalz immer öfter zu Krankschreibungen. Zahlreiche Krankenkassen registrieren seit einigen Jahren einen deutlichen Anstieg von seelischen Leiden. Allerdings führt auch ein offenerer Umgang mit den Krankheiten zu einer verstärkten Aufdeckung, wie die Geschäftsführerin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, Birgit Heinrich in Mainz erläuterte. "Früher wurden psychische Erkrankungen - vor allem in ländlichen Gebieten - häufig stigmatisiert", sagte die Expertin. Heute sei die Gesellschaft aufgeklärter im Umgang mit derartigen Krankheiten.
Die Techniker-Krankenkasse (TK) stellte im vergangenen Jahr (2002) einen Anstieg der Patientenzahlen bei den psychischen Erkrankungen in Rheinland-Pfalz um 6,8 Prozent fest. "Auch wir haben in diesem Bereich einen Zuwachs registriert", bestätigte der Sprecher der Deutschen-Angestellten-Krankenkasse (DAK), Joachim Roy, diesen Trend. Im Jahr 2001 hätten sich Erkrankungen gegenüber dem Vorjahr im Land um 21 Prozent auf 8,2 Prozent des Gesamtkrankenstandes erhöht. "Damit liegen wir über dem Bundesdurchschnitt von 7,9 Prozent", sagte Roy.
Auch die Betriebskrankenkasse (BKK) verzeichnetet eine "wachsende Anzahl" psychischer Erkrankungen. "Allerdings liegen wir in Rheinland-Pfalz unter dem BKK-Bundesdurchschnitt. Danach waren bundesweit im vergangenen Jahr für 7,5 Prozent der Krankheitstage seelische Leiden verantwortlich", sagte BKK-Sprecherin Sigrid Hansen. Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) als mit 1,2 Millionen Versicherten größte Krankenkasse in Rheinland-Pfalz, konnte keine Angaben zu der Entwicklung machen.
Die Landespsychotherapeutenkammer fordert aufgrund dieser Zahlen eine verstärkte Zulassung von Therapeuten. Für Patienten seien Wartezeiten von einem halben Jahr bei einem Therapeuten heute keine Seltenheit. "Besonders dramatisch ist die Situation im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie", warnte Heinrich.
Unter psychischen Erkrankungen leiden nach DAK-Angaben verstärkt Beschäftigte in den öffentlichen Verwaltungen, in den Branchen Bildung, Kultur und Medien, im Gesundheitswesen und in der Datenverarbeitung. Die Innungskrankenkasse (IKK) kann daher keinen starken Anstieg bei den psychischen Erkrankungen feststellen. "Wir sind eine klassische Handwerkerkrankenkasse. Diese Leiden spielen bei uns eine sehr untergeordnete Rolle", sagte IKK-Sprecher Mario Thurnes.
Zu den psychischen Erkrankungen zählen neben Depressionen auch Schizophrenie, Essstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und Angstzustände, aber auch Alkoholismus. In Rheinland-Pfalz spielen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt nach DAK-Angaben vor allem Depressionen eine größere Rolle. Insgesamt seien Frauen öfter von psychischen Problemen betroffen als Männer. Die DAK sieht die Erklärung dafür vor allem darin, dass Frauen eher und differenzierter über ihr psychisches Erleben sprächen.
Die Ursachen für psychische Erkrankungen sind vielfältig. "Wir vermuten, dass die wirtschaftlich schwierigen Zeiten in der menschlichen Psyche ihre Spuren hinterlassen", sagte TK-Sprecherin Anneliese Bodemar. Die DAK sieht ein "unwahrscheinlich breites Ursachenspektrum". "Die Gründe können sehr vielschichtig sein und sowohl im beruflichen als auch im privaten Leben liegen", sagte Roy. Allgemein spiele arbeitsbedingter Stress eine große Rolle. Auch Mobbing am Arbeitsplatz sei nach wie vor ein wichtiger Grund für die Entstehung psychischer Störungen.
© ddp April 2003
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