Weniger Suizide in Mitteldeutschland
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Suizidrate in Sachsen besonders hoch
Von Anett Böttger
Dresden/Halle/Erfurt (ddp-lsc). Die Selbstmordraten in Mitteldeutschland gehen zurück. Im Osten der Bundesrepublik sei die Zahl der Selbstmorde bis Mitte der 90er Jahre deutlich gesunken, nachdem die Versorgung der Haushalte von Stadt- auf Erdgas umgestellt wurde, sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention, Werner Felber. Als weitere Ursachen für die Entwicklung nannte der Direktor der Dresdner Universitätsklinik für Psychiatrie die bessere Behandlung psychischer Störungen sowie die veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse.
In 90 Prozent der Fälle nehmen sich Menschen auf Grund eines depressiven Zustandes das Leben. Felber zufolge sind die Motive nahezu ausschließlich im privaten Bereich zu suchen. Die Entscheidung zum Freitod lasse sich oft auf Belastungen, Probleme oder Konflikte in den Beziehungen mit nahe stehenden Personen zurückführen. Das gesamtgesellschaftliche Milieu habe darauf durchaus Einfluss. Wenn etwa ein seelisch labiler Mensch seine Arbeit verliere und ihm familiäre oder freundschaftliche Bindungen fehlten, könne dies der letzte Auslöser für Selbstmord sein.
Häufigste Suizidmethode ist laut Statistik das Erhängen, Strangulieren oder Ersticken. Auf Grund der größeren Gewaltbereitschaft und Entschlossenheit neigen Männer eher zum Selbstmord als Frauen. In Sachsen waren im vergangenen Jahr rund 70 Prozent der Suizidopfer Männer. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Kamenz wählten 2002 insgesamt 745 Menschen im Freistaat den Freitod, 60 weniger als im Jahr zuvor. Die Suizidrate betrug 17,1 pro 100 000 Einwohner. 2001 hatte Sachsen mit 18,3 die höchste Selbstmordrate in Deutschland. Die Ziffer lag deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 13,5. Für 2002 fehlen bislang die Angaben für einen bundesweiten Vergleich.
Mit 16,6 Selbstmorden pro 100 000 Einwohner hatte Sachsen-Anhalt 2001 die bundesweit zweithöchste Suizidziffer. Für 2002 registrierte das Statistische Landesamt in Halle 424 Suizide, acht weniger als im Jahr zuvor. Die Selbstmordrate betrug 16,5. In Thüringen töteten sich im selben Jahr 392 Personen selbst, neun weniger als 2001. Die Suizidziffer, die 2001 noch bei 16,6 lag, ging leicht zurück, teilte das Landesamt für Statistik in Erfurt mit. 2002 kamen auf 100 000 Einwohner 16,3 Selbstmorde in Thüringen.
Sachsen hat schon seit Jahrzehnten eine besonders hohe Suizidrate. Das bereits Ende des 19. Jahrhunderts festgestellte Phänomen sei nur schwer erklärbar, sagte Felber. Die Neigung der Sachsen zur Schwermütigkeit könnte ein Grund sein, nannte der Mediziner eine Hypothese der Experten. Außerdem gehen Fachleute davon aus, dass Selbstmord in evangelischen Gebieten weitaus weniger vertuscht wird als in katholischen Gegenden. Dort liege die Dunkelziffer bei Suiziden erheblich höher. Nach katholischer Lehre ist Selbstmord eine schwere Sünde. Dass Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in der Bundesstatistik bei den Selbstmorden dicht beieinander liegen, ist für Felber kein Zufall. Schließlich gehörten diese Länder zu "einem Kulturraum".
Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS)
www.suizidprophylaxe.de
Nationales Suizid Präventions Programm für Deutschland
www.suizidpraevention-deutschland.de
Freunde fürs Leben e.V.
www.frnd.de
24. August 2003
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